Buchrezension: Schlafen werden wir später

Buchcover Schlafen werden wir später

Das Buch auf einen Blick

Titel: Schlafen werden wir später

Autor: Zuszsa Bánk

Erscheinungsjahr: 2017

Seiten: 688

Genre: Roman

Meine Wertung: ★★★★★

Darum geht's (Klappentext / Inhalt)

Was fangen wir noch an mit diesem Leben, jetzt, nachdem wir die halbe Strecke schon gegangen sind? Die Schriftstellerin Márta lebt mit Mann und drei Kindern in einer deutschen Großstadt, die Lehrerin Johanna lebt allein in einem kleinen Ort im Schwarzwald. Eine lange Freundschaft verbindet sie, in E-Mails von großer Tiefe, Offenheit und Emotionalität halten sie engen Kontakt. Was ist gewesen in ihrem Leben – und was wird noch kommen?

Zuszsa Bánks neuer Roman ist eine Feier der Freundschaft und des Lebens.

Zsuzsa Bánk

Zsuzsa Bánk, geboren am 24. Oktober 1965 in Frankfurt am Main, ist eine deutsche Schriftstellerin. Sie ist die Tochter ungarischer Eltern, die nach dem Ungarnaufstand 1956 in den Westen flohen, und wuchs zweisprachig auf. Nach Stationen als Buchhändlerin und einem Studium der Publizistik, Politik und Literatur in Mainz und Washington, D.C., arbeitete sie zunächst als Wirtschaftsredakteurin. Seit 2000 ist sie als freie Autorin tätig und lebt in Frankfurt am Main. Bekannt wurde sie vor allem mit ihren Romanen, darunter Der Schwimmer und Die hellen Tage. Für ihr literarisches Werk erhielt sie mehrere Auszeichnungen.

Meine Rezension

Als bekennender Sachbuch-Fan suche ich in Büchern Substanz und Erkenntnis. Bei einem 688-Seiten-Roman über zwei Freundinnen war meine erste Reaktion: „Das wird der pure Horror – bestimmt nur eine belanglose Herz-Schmerz-Geschichte.“ Doch da ich mich für das Buch in unserem Lesekreis so vehement eingesetzt hatte, gab es kein Zurück.

Mein Urteil nach der Lektüre: Ich habe mich gewaltig geirrt. Zsuzsa Bánk schreibt keinen Liebesroman. Sie schreibt ein Protokoll des Überlebens im Alltag. Was mich – trotz meiner anfänglichen Skepsis – völlig gepackt hat, sind drei Dinge:

  • Die gnadenlose Ehrlichkeit der Zeit: Das Buch arbeitet mit präzisen Zeitstempeln (wie „03:03 Uhr“). Man spürt förmlich die Schlaflosigkeit und die Atemlosigkeit der Frauen. Es ist kein gemütliches Erzählen, sondern ein rasanter Takt gegen das Verschwinden der eigenen Identität zwischen Kindern, Haushalt und Krankheit.
  • Sprachliche Bilder statt hohler Phrasen: Bánk findet Worte für Dinge, die eigentlich unsichtbar sind. Sie beschreibt den „Márta-Strudel“ – dieses Gefühl, vom Alltag einfach verschluckt zu werden. Oder das „Fädeln von Wörtern auf das Nervenband“. Das ist sprachliche Präzision, die man sonst nur in philosophischer Fachliteratur findet.
  • Der Spiegel für das eigene Leben: Besonders hängen geblieben ist bei mir das Motiv des „Aufschubs“. Wir alle kennen das Gefühl, das eigentliche Leben, das Genießen oder das Ausruhen immer auf „später“ zu verschieben – nach dem Stress, nach dem Projekt, nach der Krise. Das Buch hält uns den Spiegel vor: Was, wenn dieses „Später“ gar nicht kommt?

Fazit & Empfehlung

Lassen Sie sich von der Seitenzahl und dem (vielleicht) romantisch klingenden Titel nicht täuschen. Dieses Buch ist eine tiefgründige Analyse moderner Existenz. Wer wissen will, wie sich das Leben zwischen Pflicht und Sehnsucht wirklich anfühlt, findet hier 688 Seiten geballte Erkenntnis. Ein „Sachbuch der Seele“, wenn man so will.